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    Die Daimler AG ist Lead Partner der Initiative „Drive Sustainability“. Diese erweitert nun ihren Fokus: So können künftig auch Lieferanten der Automobilindustrie aktiv mitarbeiten.

    Eine nachhaltige Lieferkette. Das ist das primäre Ziel von „Drive Sustainability“, der gemeinschaftlichen Initiative von elf Automobilherstellern. Jetzt wird der Fokus erweitert: Neu ist „Drive+“. Lieferanten können jetzt Mitglied werden und sich aktiv in die Nachhaltigkeit-Initiative einbringen. In einer Video-Konferenz erläutern Michaela Hofmeister und Alexander Möhle, Drive Sustainability-Gremienvertreter seitens des Daimler-Einkaufs, die Einzelheiten.

    11 Automobilhersteller, die gemeinsam für Nachhaltigkeit in ihren Lieferketten sorgen, was wurde denn bisher aus Sicht der Daimler AG erreicht?


    Alexander Möhle: Die gesamte Automobilindustrie verfügt über komplexe Wertschöpfungsketten und eine tief strukturierte Lieferantenbasis. Als Initiative von 11 Automobilherstellern arbeiten wir daran, Lieferanten eine einheitliche Botschaft bezüglich Nachhaltigkeitsaktivitäten und -anforderungen zu übermitteln. Bei Drive Sustainabilty geht es also in erster Linie darum, dass die beteiligten Automobilhersteller beim Thema Nachhaltigkeit eine gemeinsame Sprache sprechen.


    Die Erfahrung zeigt, dass das heute so noch nicht der Fall ist. Ein positives Beispiel für ein einheitliches Vorgehen ist der SAQ, der „Self Assessment Questionnaire“. Dieser Lieferantenfragebogen klopft die Aufstellung des Lieferanten in Sachen Sorgfaltspflichten ab – dazu gehören z.B. entsprechende Risikomanagementsysteme oder Prozesse zum Umgang mit Konfliktmineralen. Als solcher ist der SAQ ist als einheitliches Instrument Teil der industrieweiten Langzeitstrategie. Der SAQ soll einerseits die Lieferantenqualifizierung verbessern, da hierdurch Defizite identifiziert werden können, die anschließend im Rahmen gemeinsamer Maßnahmenpläne adressiert werden. Andererseits soll er aber auch den Bearbeitungsaufwand der Lieferanten reduzieren, indem diese ihre Antworten nur noch auf einer einzigen gemeinsam genutzten Plattform bereitstellen. Diese Plattform wird vom Dienstleister NQC betrieben. Die Zahlen sprechen hier eine deutliche Sprache: Bisher wurden über 35.000 SAQs eingereicht, von Lieferanten aus über 100 Ländern.


    Michaela Hofmeister:Aus Sicht der Daimler AG haben wir auch erreicht, dass insbesondere von Lieferantenverbänden Drive Sustainability als Sprachrohr der Automobilindustrie in Sachen Nachhaltigkeit wahrgenommen und angefragt wird. Für uns ist das ein bedeutendes Zeichen, dass die Lieferanten der Automobilindustrie nach Signalen suchen, wohin die Reise in Sachen Nachhaltigkeit geht. Wir wollen Drive Sustainability daher künftig noch stärker nutzen und gemeinsame Erwartungshaltungen der Automobilhersteller an die Lieferanten  formulieren und  kommunizieren.


    Alexander Möhle: Wichtig ist dies vor allem beim Thema Standards und Auditierung. Die Vielfalt an Rohmaterialien in unseren Fahrzeugen und die komplexen Lieferketten bis zu unseren eigenen Produktionsanlagen werden von einer großen Zahl an Standards aufgegriffen. Im Bereich des industriellen Bergbaus haben wir überhaupt erst seit kurzer Zeit verlässliche Standards, die sich zudem noch etablieren müssen. Dies führt unausweichlich zu Unsicherheit in der Lieferkette. Über unser Engagement in Drive Sustainability wollen wir für Vergleichbarkeit und Wettbewerb auf hohem ethischen Niveau sorgen.


    Michaela Hofmeister:Unsere Lieferanten lassen wir dabei im Übrigen nicht allein. Eine der Kernaktivitäten von Drive Sustainability ist die Durchführung von Lieferantentrainings zu Nachhaltigkeitsthemen. Diese Trainings sind auf die Gesetze und Bedingungen des jeweiligen Landes zugeschnitten und befassen sich unter anderem mit sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit, Geschäftsverhalten, Compliance und Lieferantenmanagement. Corona-bedingt gab es 2020 zwar eine Unterbrechung, für 2021 stehen aber wieder eine Reihe von Trainings im Kalender.


    Jetzt hat Drive Sustainability eine neue Strategie auf den Weg gebracht. Was soll damit weiter erreicht werden?


    Alexander Möhle: Mit dem SAQ haben wir bereits eine gute Grundlage geschaffen. Jetzt geht es darum, die nächsten Schritte zu gehen und die gemeinsame Vorgehensweise zu schärfen. Deswegen haben wir uns innerhalb der Initiative auf eine neue Strategie geeinigt. Diese neue Strategie wird unsere gemeinsamen Aktivitäten auf Jahre hinaus prägen.

    Um welche strategischen Themengebiete geht es denn?


    Michaela Hofmeister: Die neue Strategie von DRIVE setzt sich aus vier Säulen zusammen: nachhaltige Rohstoffe, Arbeitsbedingungen, CO2-Neutralität und Kreislaufwirtschaft.  Einheitliche Zielsetzungen in diesen Themenfeldern erleichtern auch die Umsetzung in der Lieferkette.

    Alexander Möhle: Säulen und Themenfelder wirken auf den ersten Blick immer etwas abstrakt. Deswegen ist es gut, das mit etwas Leben zu füllen. Beim Thema „nachhaltige Rohstoffe“ arbeiten wir innerhalb der Initiative konkret an drei Punkten. Einmal geht es um die Bewertung systemischer Risiken in Rohstofflieferketten. Diese Risiken sind für alle Automobilhersteller gleich. Die Bearbeitung durch ein einzelnes Unternehmen allein ist aber oft sehr schwierig. Deswegen eine gemeinsame Lösung.


    Michaela Hofmeister: Im zweiten Feld geht es beim Thema „nachhaltige Rohstoffe“ um die gemeinsame Einführung von Standards. Aus Gesprächen mit Lieferanten wissen wir, dass klare Signale der Hersteller hier hilfreich sind. Je stärker und einheitlicher das Signal, desto besser die Chance für vergleichbare Bedingungen, Transparenz und Wettbewerb. Auf hohem ethischen Niveau.


    Alexander Möhle:Im dritten Feld wollen wir gemeinsame Projekte zur Verbesserung der Situation in den Abbauländern an den Start bringen.

    Neu ist auch „Drive+“. Lieferanten werden künftig noch direkter eingebunden. Warum eigentlich? Und in welcher Form geschieht das?


    Alexander Möhle: Wir sind dann erfolgreich, wenn alle Beteiligten, vom Hersteller über die direkten Lieferanten und die Unterlieferanten aktiv mitarbeiten. Es ist ja so, dass unsere Lieferanten oftmals näher an Risiken dran sind und diese deutlich besser beeinflussen können. Deshalb brauchen wir den intensiven Austausch mit unseren Lieferanten. Und deswegen erweitert Drive Sustainability jetzt sein Mitgliedschaftsmodell.


    Michaela Hofmeister:Drive+ richtet sich an direkte Lieferanten und Zuliefererverbände, diese sollen bei Drive+ Mitglied werden können. Es handelt sich um eine separate Gruppe mit enger Anbindung zu Drive Sustainability. Die Mitglieder von Drive+ erhalten Unterstützung bei der Arbeit mit den Instrumenten von Drive Sustainability, einschließlich der Weitergabe der Maßnahmen in ihren Lieferketten. Website und Online-Registrierung für Drive+ sind gerade im Entstehen, für Fragen vorab gibt es für interessierte Lieferanten einen E-Mail-Kontakt unter info@drivesustainability.org. Wir würden uns freuen, wenn in den nächsten Monaten möglichst viele unserer direkten Lieferanten Drive+ beitreten würden.

    Nachhaltigkeit & Daimler

    Informationen zur Nachhaltigkeit auf Daimler.com

    Website Drive Sustainability